Lähnende Geere Part II
Diese Warterei macht mich ganz hibbelig.
Ehapa hat sich bisher nicht gemeldet und ich frage mich die ganze Zeit, ist das ein gutes Zeichen? Oder doch ein schlechtes? Gutes, schlechtes, gutes, schlechtes!?
Das erste Drittel des Treatments ist übrigens fertig, na ja, fertig kann man nicht sagen, wahrscheinlich werde ich es noch 200 Mal umschreiben, aber die ersten Meilensteine sind gelegt. Seit ich damit angefangen habe, laufe ich debil grinsend in der Gegend rum und lasse mich dabei begaffen wie ein Affe im Zoo … eben wäre ich mit zwei vollbepackten Einkaufstaschen beinahe vor ein Auto gelaufen, weil mir ein Stück Dialog eingefallen ist, zwischen Marcello und Immy … Die Momente, in denen mir etwas einfällt, finden so gut wie nie an meinem Schreibtisch statt, fast ausschließlich wenn ich unterwegs bin, das ist manchmal etwas peinlich, weil ich dann wie aus heiterem Himmel anfange zu lachen oder mit weit aufgerissenem Mund/debil vor mich hin grinsend vor einen Laternenpfahl laufe, nicht, dass mir soetwas sonst nie passiert, aber in letzter Zeit eben ziemlich häufig.
Obwohl mein Gehirn gerade auf Hochtouren an der Geschichte arbeitet, habe ich trotzdem das Gefühl damit niemals fertig zu werden. Als ich das Buch gezeichnet habe, musste ich ja quasi nur von meinem derzeitigen Leben abschreiben, das war einfach. Ich fürchte, das viele Dinge, die ich jetzt mit in die Geschichte, das Treatment aufnehme, mehr oder weniger nur Kanonenfutter sind, Füllmaterial, völlig geschmacksneutral und ohne Biss. Bzw. weiß ich gerade nicht wie ich die vielen Fragmente, die ich im Kopf habe, zusammensetzen soll, zumal ich ja auch nicht unbegrenzt Platz habe in einem Treatment, das nicht länger als 25 Seiten sein soll …
Und natürlich frage ich mich auch, ob das Ganze überhaupt Sinn macht. Ich glaube doch nicht wirklich ernsthaft daran, dass Immy irgendwann verfilmt wird, oder? Auf der anderen Seite habe ich so lange die Füße still gehalten, dass es langsam an der Zeit wäre, an etwas wirklich völlig verrücktes zu glauben und alles dafür zu tun, dass es in Erfüllung geht.
Wo kämen wir denn hin, wenn wir vor unseren Träumen davon laufen würden?
Jedenfalls nicht ins Kino.
Letzten Freitag ist meine Tante gestorben. Als ich heute mit meiner Mutter telefoniert habe, sagte sie zu mir am Ende des Telefonats, ich solle jeden Tag so leben als sei er mein letzter. Ein ziemlich ausgelutschter Satz, aber aus dem Mund meiner Mutter, die mir ein Leben lang vorgehalten hat, völlig realitätsfremd zu sein und die ihr Leben so geführt hat, als gäbe es noch mindestens ein weiteres Dutzend, in denen sie etwas wieder gut machen könnte, bekommt er direkt eine völlig neue Bedeutung.