BITTE EINSTEIGEN UND TÜREN SCHLIESSEN
Heute dachte ich für einen Moment ich wache gleich auf, und zwar an meinem alten Schreibtisch, mit Augenrändern bis zum Bauchnabel, den Blick starr auf den Monitor gerichtet, mit steifen Fingern einen Grafikstift umklammernd, als würde mein Leben von ihm abhängen, daneben eine leere Pizzaschachtel, eine halb leere (natürlich!) Flasche Sprudelwasser, ein gigantischer Kippenigel, vor mir mein altes A5 Grafiktablett, das ich einen Moment später als Kissen zweckentfremden würde … hätte mir Marla, mein Pflegewelpehund, nicht kurz nach Mitternacht auf die Schuhe gekackt.
Aber nur für einen Moment.
An meinem alten Schreibtisch sitzt mittlerweile Opi, alias Marcello an seinem Laptop, für die Augenränder habe ich jetzt Conceiler (tolle Erfindung!!) und mehr Schlaf (auch tolle Erfindung!), der Blick ist immer noch starr auf den Monitor gerichtet (und ich sehe jetzt weniger irre dabei aus), aber ich umklammere dabei meinen Grafikstift nicht mehr so verkrampft als würde mein Leben von ihm abhängen, die leeren Pizzaschachteln sind im Altpapier verschwunden, mein altes A5 Grafiktablett habe ich mittlerweile gegen ein Tablett in A4 Übergröße getauscht (Size DOES matter!) und Marla, mein damaliger Pflegewelpe, wiegt mittlerweile (ca.) 300 Kilo (eine schwarze Labradorhündin … ich kann euch sagen …) und macht jetzt Pipi und Pupu wenn man mit ihr Gassi geht.
Und die Bildergeschichte, an der ich damals fast ein Jahr lang, Nacht für Nacht wie eine Besessene gearbeitet habe, erschien heute als Graphic Novel Tipp im Börsenblatt unter der Überschrift “Best of Graphic Novels”.
Und wurde als wunderbar bezeichnet.
Vielleicht ist doch alles nur ein Traum.
